Bericht aus www.verkehrsberichte.de vom 11.04.2005 von wagen

"...Danziger Str. 61 zu einem Ortstermin bezüglich der Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer treffen. So viel gleich vorweg: Das „Maison d´envie“ ist, was die Rollstuhlzugänglichkeit betrifft, eines der besten Etablissements in der Stadt, die ich kenne.
Natürlich habe ich bei meiner Besichtigung keine DIN Normen zu Grunde gelegt (solche in dieser Branche zu fordern, wäre sehr realitätsfern), sondern darauf geachtet, wie praktikabel der Besuch für Leute, die im Rollstuhl sitzen, ist:
Von der Straße aus muss man durch den Hausdurchgang in den Hinterhof gelangen. Meist ist die Haustür zur Straße nicht eingehängt. Wer mit dem Rollstuhl unterwegs ist, müsste sie sich also von einem Passanten aufhalten lassen. Ein Diskretionsproblem gibt es hier nicht, da der Hausdurchgang auch zu vielen Privatwohnungen führt. Im Hinterhaus befindet sich dann das „Maison d´envie“. Hier gibt es eine größere Barriere: Im Hauseingang befinden sich 2 Stufen. Man hat dort eine Rampe bauen lassen und diese angelegt. Sie ist noch ziemlich steil und nur für Leute mit starken Oberarmen oder kräftigem Elektromotor überwindbar. Es ist jedoch kein Problem, die Rampe zu verlängern und damit das Gefälle zu mindern. Das wurde mir auch zugleich zugesichert. Im Laden selbst befinden sich nach bester Altbaumanier breite Türen mit niedrigen Schwellen. Im Korridor ist hinreichend Platz und die Zimmer sind so gestaltet, dass man sich mit dem Rollstuhl darin bewegen und von einer Seite immer ans Bett heranfahren kann. Das Doppelbett im großen Zimmer ist fast so hoch wie ein Rollstuhlsitz, so dass ein Umsetzen nicht allzu schwierig sein dürfte. Um ein Rutschbrett, das man zwischen Rollstuhlsitz und Bettkante legen kann, will man sich ebenfalls kümmern. Sogar Bad und Toilette sind erreichbar. Die Duschkabine wird für die meisten zu eng sein, aber es gibt ein unterfahrbarers Waschbecken und die Toilette ist von vorn und von links ebenfalls anfahrbar.
Es sei hier noch einmal betont, dass es hier genauso wie bei den nichtbehinderten Freiern auch ist: der Kernbereich der ganzen Geschichte hat sehr wenig mit Stufen und breiten Türen zu tun. Aber auch hier hatte ich den Eindruck, dass es insgesamt einen offenen und lockeren im Umgang mit dem Thema Behinderung gibt. man betonteausdrücklich, dass die Frauen bei bestimmten Kunden und Ansinnen auch „Nein“ sagen können. Wenn eine also allzu starke Berührungsängste hat, kann sie einen Kunden auf Grund seiner Behinderung auch ablehnen. Es ließe sich trefflich darüber streiten, inwieweit hier der Tatbestand einer Diskriminierung nach dem neuen Antidiskriminierungsgesetz vorliegt. Ich muss allerdings als behinderter Freier sagen, dass es besser ist, die Frau sagt gleich vorher, dass die Ängste und Abwehrhaltungen hat. Das schmerzt zwar, aber wesentlich schädlicher ist es, Sex mit einer Frau zu haben, die sich vor dir ekelt und dich ablehnt. Besser eine eindeutige Absage, als solch eine Nummer, für die man dann auch noch löhnen muss. Meine Erfahrungen sehen allerdings so aus, dass derartige Ablehnungen eher selten vorkommen und sich die Frauen, selbst wenn sie unsicher sind, auf ein Date einlassen. Das kann dann mitunter gerade wegen der nicht ganz so üblichen Voraussetzungen ganz besonders bezaubernd sein. Ich schätze, im „Maison d´envie“ ist das ebenso.
Hier wie anderswo gilt: vorher anrufen und sagen, welche Behinderung man hat und welche Hilfen man benötigt, kann viel Ärger ersparen und Unsicherheiten abbauen.
Eine letzte Bemerkung zu den Preisen: sie befinden sich auf einem hier in Berlin üblichen niedrigen Niveau...."